Hart aber herzlich und unendlich wertvoll

Estl_files/fsj/images/Layout/Ulli Gebauer und Abuzer Al Mohamad3-Web.jpg ist ihm anzusehen, wie sehr sich Ulli für die Arbeit mit Geflüchteten bei Alraune begeistert. Hier hat er seinen Freiwilligendienst im September 2017 begonnen. Seit dem Ende der 12 Monaten BFD jobbt er hier weiter und finanziert sich so sein Politikstudium. Jeden Freitag fährt Ulli von Bremen nach Hamburg und gibt den Deutschkurs für alle - eine Arbeit, die „wirklich Sinn macht“, wie er sagt.

Die Zeit nach dem Abi sollte für Ulli, wie für die meisten seiner Freunde, erst mal eine Zeit ohne Lernen sein - eine Pause zwischen Schule und Studium. Eine Zeit, in der man mal was ganz anderes macht. Und er wollte gern mal in einer anderen Stadt leben.

Während der Schulzeit hat Ulli in seiner Heimatstadt Tübingen ehrenamtlich im Asylzentrum gearbeitet. Zusammen mit einem Ghanaer und einem Syrer hat er dort eine Fahrradreparaturwerkstatt gegründet – eine Arbeit, die ihm viel Freude gemacht hat. Über den Freiwilli-gendienst konnte er dieses Engagement vertiefen und weiter mit Geflüchteten arbeiten.

Die Arbeit bei Alraune hat ihn von Anfang an begeistert. Wie gehofft, fand er hier eine für ihn attraktive Stelle, die ihm viele Möglichkeiten bot. „Das Team von Alraune hat mir schnell Vertrauen geschenkt, zudem wurde jede Art der Unterstützung dringend gebraucht, so war ich gleich mittendrin und konnte schnell selbstständig arbeiten“, erzählt Ulli. Er half Geflüchteten im Alltag, bei Behördengängen oder bei der Wohnungssuche, er begleitete die Wege zum Amt und füllte gemeinsam mit den Geflüchteten Formulare aus. Er unterstützte in den begleitenden Angeboten zum Integrationskurs „MOIN“ (Motivieren, Orientieren, Integrieren) und führte den niedrigschwelligen Deutschkurs für alle bald allein durch.Ulli und seine Nachfolgerin

„Wenn ich aus dem Kurs komme, habe ich gute Laune“, berichtet er. „Es macht so viel Spaß, den Leuten etwas beizubringen. Ich kann mich hier ausprobieren und habe große Freiheit bei der Gestaltung der Unterrichtsstunden.“

Oft ist die Arbeit im Integrationsprojekt hart. Ulli musste lernen, sich abzugrenzen und die individuellen Probleme nicht mit nach Hause zu nehmen. Schöne Erlebnisse entstehen, wenn sein Einsatz und die Arbeit seines Teams Früchte tragen, wenn jemand einen Aufent-haltsstatus erhält oder eine Familie eine Wohnung findet. Dann wird die Einweihung ge-meinsam gefeiert.

Für Ulli hat der Freiwilligendienst in vielfacher Hinsicht Sinn gemacht. Die Arbeit hat ihm wertvolle Erfahrungen beschert. Die Dinge, die er gesehen und erlebt hat, haben ihn weiter „politisiert“, wie er sagt, und damit seine Idee bestätigt, anschließend Politikwissenschaft zu studieren. „Auch im Austausch mit den anderen Freiwilligendienstlern aus meiner Seminar-gruppe wurde mir klar, wie einmalig und außergewöhnlich die Einblicke sind, die man im Freiwilligendienst gewinnen kann. Andere aus meiner Gruppe haben im Altenheim, in sozial-therapeutischen Wohngruppen oder mit Menschen mit Suchtproblematiken gearbeitet. Unsere Gespräche bestätigten mir, dass die soziale Arbeit als Bufdi oder FSJler eine einmalige Chance ist, so nah dran zu sein.“