„Ich mach alles, was ich kann!“

tl_files/fsj/images/Layout/Guzal-Frau Leja-web.pngGuzal zieht Papierfiguren auf einen Faden. „Das wird die Deko für unser Faschingsfest!“ Guzal Abdukhamidoua ist aus Usbekistan. Vor einem Jahr ist die 19-Jährige nach Deutschland gekommen, um als Au-pair-Mädchen hier zu arbeiten. Nach kurzer Zeit hat sie gemerkt, dass ihr die Arbeit mit Kindern wenig Freude macht. Mit Hilfe ihrer Tante, bei der sie auch wohnt, hat sich Guzal auf die Suche nach einer neuen Beschäftigung gemacht. In Usbekistan hat sie nach der neunjährigen Schulausbildung eine fachliche Bildung am Berufskolleg gemacht. Hier hat sie gelernt, am Computer zu arbeiten. Nachmittags war sie als Büro-Assistentin bei der Polizei tätig.

Das Wilhelm Leuschner Seniorenzentrum ist ganz in der Nähe. Es war die Idee ihrer Tante, hier mal nach einer Stelle zu fragen. Mit ihrer Unterstützung hat sich Guzal dort beworben und im August 2018 eine Stelle als Bufdi bekommen.
Auf die Frage nach ihren Aufgaben sagt Guzal: “Ich mach alles, was ich kann.“ Und sie lernt ständig dazu, dementsprechend vielfältig sind ihre Aufgaben im Seniorenzentrum. Im Betreuungsbüro kann sie ihre Computerkenntnisse nutzen. Sie pflegt die Daten aller Bewohner und hilft bei allgemeinen Büroaufgaben. Die meiste Zeit verbringt sie jedoch mit der Betreuung der Senioren. Sie spielen zusammen, sie basteln und Guzal hilft bei Einkäufen und anderen Erledigungen oder begleitet einfach einen Spaziergang im Park. Wenn sie helfen kann ist sie glücklich, dann lacht sie und dieses Lachen ist ansteckend.
Was ihr schwer fällt ist, zu erleben, wenn die alten Menschen einsam oder traurig sind oder ihren Lebensmut verlieren. „Viele sind allein und haben keine Verwandten oder Freunde mehr. Dann wechsle ich schnell das Thema“, erklärt Guzal, „notfalls auch zu Politik!“ Sie kann von den älteren Leuten eine ganze Menge lernen. Neben der deutschen Sprache und Politik lernt sie neue Spiele kennen und viele Dinge die ihr Spaß machen. Und was lernen die Menschen von Guzal? „Lachen“, sagt sie und sieht dabei ganz überzeugend aus.

Ihren schönsten Moment im Freiwilligendienst hatte Guzal ganz am Anfang ihrer Tätigkeit. Da gab es ein Sommerfest und Guzal hat stundenlang getanzt, zu deutscher Schlagermusik. „Das war so schön – das kann man nicht vergessen“, sagt sie.
Sie hat jetzt ein neues Projekt, für das sie jetzt ganz allein zuständig ist. Einmal im Monat gibt es ein gemeinsames Frühstück. Zusammen mit ihrer Chefin hat Guzal das neue Angebot für die Bewohner*innen ausprobiert und viel Zuspruch erfahren. Zwölf Gäste hat sie mit Tee, Kaffee, Brötchen und allem, was dazu gehört, verwöhnt. Die fanden es toll und haben sich mit Blumen und kleinen Geschenken bei ihr bedankt. „Ich schaff auch zwanzig“, meint Guzal und freut sich dabei auf das nächste Mal.

Regelmäßig trifft sich Guzal zum Seminartag mit ihrer Gruppe. 30 Freiwilligendienstleistende kommen zusammen, lernen gemeinsam und tauschen sich über ihre Arbeit und ihre Zukunft aus. Guzal möchte ihren Freiwilligendienst gern auf 18 Monate verlängern – so hat sie noch mehr Zeit mit ihren Senioren und noch mehr Gelegenheit sich den richtigen Ausbildungsberuf zu suchen, der unbedingt im sozialen Bereich liegen soll und in der Beschäftigung mit alten Menschen.