Ein Stein ist ein Stein …ist ein Abenteuer

Mit 18 Kindern, die mehr oder weniger aufmerksam sind, sitzt Christian auf dem Boden im Kreis. Er liest aus einem Buch vor. „Haferbande“ ist das Lieblingsbuch von Kitakind Maria und sie durfte es heute mit in die Kita bringen. Vorlesen ist das, was Christian hier am liebsten macht. Meistens sind fünf bis sechs Kinder um ihn herum, dann kann er auch über das sprechen, was er gerade gelesen hat. Dann hat er die Möglichkeit Vieles zu erklären und alle Fragen der Kinder zu beantworten.

Als FSJ´ler hat der 22-jährige Christian in der Kita Tigerentengarten viele verschiedene Aufgaben. Er ist Unterstützung der Erzieherinnen in allen Bereichen. Er spielt mit den Kindern, räumt auf, begleitet die Ausflüge und passt auf, dass alle Kinder gut betreut sind. Das Helfen beim An - und Ausziehen von Jacken, Stiefeln, Mützen, Handschuhen… ist die Aufgabe, die seine Geduld am meisten fordert, besonders im Winter. Geduldig sein ist das, was er hier lernt, und er lernt, Verantwortung zu tragen. „Mit einer Horde von Kindern durch den Straßenverkehr zu ziehen, kann ganz schön anstrengend sein“, sagt er. „Doch wenn ich am Ende der Gruppe gehe, habe ich alle im Blick, dann fühle ich mich wohl.“
Nach dem Abi wollte er eine Pause vom Lernen haben, berichtet Christian. Später wollte er auf jeden Fall studieren, wusste aber nicht so genau welches Studium für ihn das richtige ist. „Irgendwas Soziales, Kreatives oder Geisteswissenschaftliches“ soll es sein. Während des Freiwilligendienstes hat er die Möglichkeit darüber nachzudenken und ausreichend Zeit für eine Entscheidung. Und er genießt es, mit Lernerei und Schulbüchern erst mal nichts mehr zu tun zu haben, sondern mit täglicher Routine einfach „nur“ seinen Job zu machen. Und der macht ihm viel Spaß.

In der Tigerente sind einige Kinder betreut, die mit ihren Familien nach Deutschland geflüchtet sind. Besonders diese Kinder, die hier erst mal ankommen und die Sprache lernen müssen, freuen sich riesig, wenn sie etwas Neues können. „Der Spaß am Lernerfolg, der ist so schön, der steckt an – bei allen Kindern“, erzählt Christian.  Und es kann auch richtig lustig sein. Neulich wollte ein Mädchen ein Pflaster haben. Sie hatte sich beim Obst schälen in den Finger geschnitten: „Ich habe mich geschält“, erklärte sie.

Die Welt mit Kinderaugen zu betrachten, das ist das, was Christian an seiner Arbeit in der Kita besonders mag. „Da ist dann ein Stein auf dem Weg plötzlich viel mehr als nur ein Stein, er stellt Fragen, regt zum Spielen an und kann viel Spaß machen. Ich wäre an ihm achtlos vorbei gegangen.“

Schon in der 10. Klasse hatte Christian überlegt, Erzieher zu werden. Im Hort der Tigerenten hat er damals schon ein paar Tage verbracht, sich dann aber doch entschieden, weiter zur Schule zu gehen und Abitur zu machen. Es ist ihm wichtig zu erfahren, wie es ist, als Mann hier den Job zu machen, in einem Berufsfeld, wo sonst fast nur Frauen arbeiten. „Ich möchte meine Zeit bei den Tigerenten ganz bewusst für meine Orientierung nutzen, gern würde ich auch noch um ein halbes Jahr verlängern. Ich denke, dann habe ich wieder Motivation, um geistige Arbeit zu leisten, und dann werde ich wissen, was ich studieren möchte.“